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Das größte wirbellose Tier der Welt

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5 Min. Lesezeit

Etwa 97 Prozent aller Tierarten dieser Welt sind Wirbellose. Dennoch wissen nur wenige von uns, welches wirbellose Tier das größte ist.


Wohl jeder weiß, dass der Blauwal das größte Säugetier der Erde ist. Viele wissen auch, dass das Leistenkrokodil das mächtigste Reptil oder der Strauß der größte Vogel ist. Und erst kürzlich gab es hier auf tierfakten.com einen Artikel über den größten Süßwasserfisch der Welt.

Aber wer ist der größte Vertreter der Wirbellosen?

Was sind Wirbellose?

Der Begriff "Wirbellose", wissenschaftlich als Invertebraten bezeichnet, umfasst alle Tiere, die keine Wirbelsäule und kein knöchernes Innenskelett besitzen. Gliederfüßer (z. B. Insekten, Krebstiere) haben stattdessen ein Außenskelett, ein sogenanntes Exoskelett. Würmer, Nesseltiere und viele Weichtiere wiederum besitzen weder Skelett noch feste Hülle, sondern ein Hydroskelett, das durch kontrollierten Druck von Körperflüssigkeiten ein Flüssigkeitspolster bildet.

Invertebraten machen mit 97 Prozent aller Tierarten den weitaus größten Teil der globalen Fauna aus. Zu ihnen gehören unter anderem die Insekten, Spinnentiere, Schnecken und die Kopffüßer. Auch wenn es aus verschiedenen Gründen unter den wirbellosen Tieren keine Giganten wie Wale oder Elefanten gibt, existieren dennoch unter ihnen durchaus imposante Arten.


Die Afrikanische Riesenschnecke (Achatina fulica), eine der größten Landschnecken der Welt, kann eine Körperlänge von immerhin 30 Zentimetern erreichen (1).


Abb. 1: Afrikanische Riesenschnecke (Achatina fulica)
Abb. 1: Afrikanische Riesenschnecke (Achatina fulica)

Nicht minder beeindruckend ist die Goliath-Vogelspinne (Teraphosa blondi). Die größte aller Vogelspinnen kann 175 Gramm schwer werden und eine Beinspannweite von 30 Zentimetern erreichen (2).

Abb. 2: Goliath-Vogelspinne (Teraphosa blondi)
Abb. 2: Goliath-Vogelspinne (Teraphosa blondi)

Ein noch spektakulärerer großer Wirbelloser ist die Japanische Riesenkrabbe (Macrocheira kaempferi). Sie kann eine Beinspannweite von 3,70 Metern erreichen und bis zu 19 Kilogramm schwer werden. Allein der Rückenpanzer kann einen Durchmesser von fast 40 Zentimetern aufweisen. (3)


Abb. 3: Japanische Riesenkrabbe (Macrocheira kaempferi)
Abb. 3: Japanische Riesenkrabbe (Macrocheira kaempferi)

Doch auch die Japanische Riesenkrabbe ist längst nicht das größte wirbellose Tier der Welt. Unter den Kopffüßern finden sich nämlich noch Giganten ganz anderen Kalibers.


Was sind Kopffüßer?

Die Kopffüßer (Cephalopoden) gehören zu den Weichtieren (Mollusken). Ihren Namen verdanken die fast ausnahmslos räuberischen Tiere ihrer Anatomie: Unmittelbar an ihrem Kopf setzen ein Kranz mehrerer Arme an. In dessen Mitte befindet sich ein kräftiger, scharfer Schnabel, ähnlich dem eines Papageis. Die bekanntesten Vertreter sind die achtarmigen Kraken (Oktopusse), die zehnarmigen Kalmare und die Sepien. Im Gegensatz zu den Gliederfüßern besitzen sie kein starres Außenskelett: Sie stabilisieren ihren hochflexiblen Körper stattdessen – wie viele andere Weichtiere – über ein Hydroskelett, also durch das Zusammenspiel von Muskulatur und innerem Flüssigkeitsdruck.

Ein weiteres Merkmal der Kopffüßer ist ihre Fortbewegung: Über eine bewegliche Öffnung können sie Wasser mit hohem Druck aus ihrer Mantelhöhle ausstoßen und sich so nach dem Rückstoßprinzip blitzartig durchs Wasser katapultieren.


Abb. 4: Karibischer Riffkrake (Octopus briareus) – durch sein flexibles Hydroskelett kann er sich in engste Nischen zwängen.
Abb. 4: Karibischer Riffkrake (Octopus briareus) – durch sein flexibles Hydroskelett kann er sich in engste Nischen zwängen.

Der Koloss-Kalmar ist der größte Wirbellose unserer Zeit

Der Koloss-Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni) kann ein Gewicht von mehr als einer halben Tonne erreichen. Allein sein tonnenförmiger Rumpf kann 2,5 Meter lang werden. Auf Grundlage von gefundenen Überresten schätzen Wissenschaftler, dass er einschließlich der Tentakel bis zu 14 Meter lang werden kann! (4) An Körpermasse übertrifft er damit alle anderen Invertebraten bei Weitem.


Abb. 5: Koloss-Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni)
Abb. 5: Koloss-Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni)

Im Südpolarmeer zu Hause

Der Gigant bewohnt die eisigen Gewässer rund um die Antarktis. Als Tiefseebewohner in Regionen zwischen rund 500 und über 2.000 Metern Tiefe ist er perfekt an die dort herrschende Finsternis angepasst. Um in dieser dunklen Tiefe Beutetiere oder Fressfeinde wie den Pottwal rechtzeitig zu erkennen, verfügt er über die größten Augen im gesamten Tierreich: Mit etwa 30 Zentimetern Durchmesser sind sie sogar größer als die des größten Tieres aller Zeiten, des Blauwals (5). An seinen Tentakeln trägt er zudem keine normalen Saugnäpfe wie die meisten Kalmare, sondern scharfe, um 360 Grad drehbare Chitin-Krallen.


Der berühmte Riesenkalmar nur auf Platz Zwei

Der Riesenkalmar (Architeuthis dux) ist der wesentlich bekanntere Verwandte des Koloss-Kalmars. Das liegt wohl daran, dass er weltweit verbreitet ist und daher häufiger gefangen oder angespült wird. Er prägte auch das Bild des Seeungeheuers in Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer.

Er übertrifft zwar den Koloss-Kalmar leicht bei der Gesamtlänge, ist aber deutlich schlanker und wird mit ca. 275 Kilogramm nur gut halb so schwer (6).


Abb. 6: Riesenkalmar (Architeuthis dux) – 1920 angespült (Ort unbekannt)
Abb. 6: Riesenkalmar (Architeuthis dux) – 1920 angespült (Ort unbekannt)

Was, wenn man nur die Länge betrachtet?

Lässt man Körpermasse und -volumen außer Acht und blickt ausschließlich auf die Körperlänge, müssen sich die Kalmare und auch die Kopffüßer allgemein geschlagen geben. Das längste wirbellose Tier der Welt ist der Lange Schnurwurm (Lineus longissimus). Dieser Meereswurm lebt an den Küsten des Nordatlantik und ist hochelastisch gebaut. Stark gedehnt wurden Längen von mehr als 50 Metern gemessen! (7) Damit ist er (gedehnt) sogar länger als ein Blauwal, das größte Tier aller Zeiten.

Da der Wurm jedoch nur 5 bis 10 Millimeter im Durchmesser misst und auch nur einige Hundert Gramm schwer wird, kann man ihn trotz seiner Länge nicht ernsthaft als größten Wirbellosen der Welt bezeichnen.


Abb. 8: Langer Schnurwurm (Lineus longissimus)
Abb. 8: Langer Schnurwurm (Lineus longissimus)

In der Urzeit gab es bestimmt noch größere Wirbellose, oder?

Nein, gab es nicht. In der Urzeit war keineswegs "alles größer", wie wir oft annehmen. Nach dem, was wir heute wissen, ist der Koloss-Kalmar nicht nur der schwerste Invertebrate unserer Zeit, sondern sogar der schwerste aller Zeiten!


Fazit

Obwohl 97 % der Tierarten dieser Welt Wirbellose sind, stellen die Wirbeltiere mit Giganten wie Walen, Elefanten oder Haien die größten Arten. Dennoch finden sich auch unter den Invertebraten einige imposante Spezies. So gibt es z. B. bis zu 30 Zentimeter lange Schnecken und fast 20 Kilogramm schwere Krabben. Die massivsten Vertreter der Wirbellosen sind jedoch die Kalmare, allen voran der Koloss-Kalmar mit einer halben Tonne Gewicht, einer geschätzten Gesamtlänge von 14 Metern und einer Rumpflänge von 2,5 Metern. Er ist nach heutigem Stand sogar der schwerste Invertebrate, der je gelebt hat.

Betrachtet man ausschließlich die Körperlänge, ist auch noch der hochelastische Lange Schnurwurm zu erwähnen, der bei maximaler Ausdehnung mehr als 50 Meter lang werden kann. Allerdings bei einem Durchmesser von wenigen Millimetern und einem Gewicht von einigen Hundert Gramm.

Quellen

Literatur & Onlinequellen

(1) Animal Diversity Web (ADW). (o. J.). Achatina fulica (giant African land snail). University of Michigan Museum of Zoology. https://animaldiversity.org/accounts/Achatina_fulica/

(2) Encyclopædia Britannica. (o. J.). Goliath birdeater. Encyclopædia Britannica, inc. https://www.britannica.com/animal/Goliath-birdeater

(3) Animalia.bio. (o. J.). Japanese spider crab (Macrocheira kaempferi). https://animalia.bio/japanese-spider-crab

(4) Encyclopædia Britannica. (o. J.). Colossal squid. Encyclopædia Britannica, inc. https://www.britannica.com/animal/colossal-squid

(5) Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa. (2008). Colossal squid eye facts. Te Papa’s Blog. https://collections.tepapa.govt.nz/topic/1123

(6) Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa. (o. J.). Colossal squid vs giant squid. https://collections.tepapa.govt.nz/topic/1122

(7) Guinness World Records. (o. J.). Longest solitary animal / Bootlace worm (Lineus longissimus). https://www.guinnessworldrecords.com/world-records/longest-animal


Abbildungen

Abb. 1: Afrikanische Riesenschnecke (Achatina fulica). Eigene Aufnahme.

Abb. 2: Goliath-Vogelspinne (Theraphosa blondi). Foto: Snakecollector via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/, Zuschnitt vorgenommen). Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theraphosa_blondi_1.jpg

Abb. 3: Japanische Riesenkrabbe (Macrocheira kaempferi). Foto: Autor unbekannt (Popular Science Magazine, Juni 1920) via Wikimedia Commons, Lizenz: Gemeinfrei / Public Domain (https://creativecommons.org/publicdomain/mark/1.0/deed.de). Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Macrocheira_kaempferi_1920.jpg

Abb. 4: Karibischer Riffkrake (Octopus briareus). Eigene Aufnahme.

Abb. 5: Koloss-Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni). Foto: Eigene Darstellung / Wikimedia Commons, Lizenz: GNU-Lizenz für freie Dokumentation (https://www.gnu.org/licenses/fdl-1.3.html). Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Colossalsquid.png

Abb. 6: Riesenkalmar (Architeuthis dux), angespült 1920 (Ort unbekannt). Foto: Nach Michael Bright (There are Giants in the Sea, 1989) via Wikimedia Commons (hochgeladen von Mgiganteus1), Lizenz: Gemeinfrei (https://creativecommons.org/publicdomain/mark/1.0/deed.de). Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Giant_squid_west_coast.png

Abb. 7: Historische Illustration einer Begegnung mit einem Riesenkalmar aus Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer. Foto: Wikimedia Commons, Lizenz: Gemeinfrei / Public Domain (https://creativecommons.org/publicdomain/mark/1.0/deed.de). Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:20000_squid_Nautilus_viewbay.jpg

Abb. 8: Langer Schnurwurm (Lineus longissimus). Illustration: Citron via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, Zuschnitt und Drehung vorgenommen). Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lineus_longissimus.jpg


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