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Wie Katzen Australiens Tierwelt bedrohen

  • vor 15 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Die Hauskatze gehört heute zu den größten Gefahren für die australische Tierwelt. Ursprünglich durch europäische Siedler nach Australien gebracht, traf sie dort auf eine einzigartige Fauna, die sich über Millionen Jahre weitgehend ohne vergleichbare Raubtiere entwickelt hatte.


Heute leben in Australien Millionen verwilderter Hauskatzen (Felis catus) und Hauskatzen mit Freigang. Wissenschaftliche Untersuchungen gehen davon aus, dass Katzen dort jedes Jahr mehr als 1,5 Milliarden Wirbeltiere wie Säugetiere, Vögel, Reptilien und zudem über eine Milliarde wirbelloser Tiere töten.*

Das Problem der fehlenden Anpassung

Besonders betroffen sind kleine Beuteltiere wie der Bilby (Macrotis lagotis). Viele dieser Tiere hatten ursprünglich kaum Erfahrung mit schnellen, bodenjagenden Räubern wie Katzen oder Füchsen. Entsprechend schlecht waren sie an solche Feinde angepasst. Biologen sprechen dabei von sogenannter „Beutenaivität“. Wissenschaftler bringen verwilderte Katzen deshalb mit dem Rückgang zahlreicher Tierarten sowie dem Aussterben von mehr als 20 australischen Säugetierarten, vor allem kleiner Beuteltiere, in Verbindung *.

Australiens Tierwelt entwickelte sich über sehr lange Zeit geografisch isoliert. Viele heimische Tiere kommen nur in kleinen Verbreitungsgebieten vor oder leben überwiegend am Boden. Gerade kleine Beuteltiere und Bodenbrüter reagieren empfindlich auf eingeführte Räuber. Viele dieser Tiere sind nachts aktiv – also genau zu der Zeit, in der auch Katzen besonders intensiv jagen.


Der Bilby gehört zu den Beuteltieren, die besonders unter eingeführten Räubern leiden (Foto: Queensland Government)
Der Bilby gehört zu den Beuteltieren, die besonders unter eingeführten Räubern leiden (Foto: Queensland Government)

Ein Ökosystem im Wandel

Katzen sind dabei nicht die einzige invasive Tierart, die Australiens Natur verändert. Auch der – ebenfalls durch den Menschen aus Europa eingeführte – Rotfuchs (Vulpes vulpes) gilt als große Gefahr. Er wurde ursprünglich vor allem für die Jagd nach britischem Vorbild in Australien angesiedelt. Hinzu kommen eingeschleppte Wildschweine (Sus scrofa), die Lebensräume zerstören. Ebenfalls sehr problematisch ist die Aga-Kröte (Rhinella marina), deren Gift zahlreiche australische Tiere tötet, weil sie die Kröte für fressbar halten. Und diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen...


Die Aga-Kröte aus Lateinamerika. Zur Schädlingsbekämpfung in Australien eingeführt. Ein großer Fehler.
Die Aga-Kröte aus Lateinamerika. Zur Schädlingsbekämpfung in Australien eingeführt. Ein großer Fehler.

Natürlich sind aber nicht die invasiven Arten für diese Probleme verantwortlich. Es ist der Mensch, der immer wieder bewusst oder unbewusst Arten in fremde Ökosysteme bringt, ohne sich wirklich über die Folgen im Klaren zu sein.


Mehr über die Aga-Kröte findest Du hier: Das unbeliebteste Tier Australiens


Konkrete Maßnahmen gegen das "Katzenproblem"

In manchen Regionen Australiens versuchen Naturschutzorganisationen und Behörden mit viel Aufwand, empfindliche Schutzgebiete durch spezielle raubtiersichere Zäune und intensive Kontrollmaßnahmen katzenfrei zu halten. Besonders auf kleineren Inseln und in abgelegenen Reservaten werden verwilderte Katzen teilweise gezielt eingefangen oder entfernt, um bedrohte Tierarten zu schützen.


Ein herkömmlicher Maschendrahtzaun ist für Katzen kein Hindernis
Ein herkömmlicher Maschendrahtzaun ist für Katzen kein Hindernis

Darüber hinaus gibt es Programme, die Hauskatzenhalter zu stärkerer Kontrolle ihrer Tiere bewegen sollen. Dazu gehören beispielsweise nächtliche Ausgangssperren für Freigängerkatzen oder die Empfehlung, Katzen möglichst im Haus zu halten.

Die Maßnahmen sind in Australien allerdings umstritten. Während Naturschützer vor allem den Schutz bedrohter Tierarten betonen, kritisieren Tierschutzorganisationen teilweise die eingesetzten Methoden. Das Problem gilt heute als eines der bekanntesten Beispiele dafür, wie stark invasive Arten empfindliche Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen können.


Übrigens: Auch in Deutschland gibt es zahlreiche invasive Arten

Das Problem invasiver Arten ist dabei keineswegs auf Australien beschränkt. Auch in Deutschland beeinflussen eingeschleppte Tiere wie Waschbär (Procyon lotor), Mink (Neovison vison) oder Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) heimische Ökosysteme.


Der Waschbär gehört zu den bekanntesten invasiven Tierarten Deutschlands und kann besonders für Bodenbrüter problematisch werden (Foto: GoToVan)
Der Waschbär gehört zu den bekanntesten invasiven Tierarten Deutschlands und kann besonders für Bodenbrüter problematisch werden (Foto: GoToVan)

Fazit

Katzen gehören weltweit zu den beliebtesten Haustieren. In Australien zeigen verwilderte bzw. freilaufende Katzen jedoch, wie stark eingeschleppte Raubtiere empfindliche Ökosysteme verändern können. Zusammen mit anderen invasiven Arten zählen sie Down Under zu den größten Bedrohungen für die biologische Vielfalt.

Quellen

* Department of Climate Change, Energy, the Environment and Water. (2024). Feral cats. Australian Government.https://www.dcceew.gov.au/environment/invasive-species/feral-animals-australia/feral-cats

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