Leuchtende Haie: Der Schokoladenhai leuchtet im Dunkeln
- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Ein Hai ist das größte bekannte leuchtende Wirbeltier
Biolumineszenz kommt im Tierreich häufiger vor
Die Fähigkeit zu leuchten, sogenannte Biolumineszenz, kommt im Tierreich gar nicht so selten vor. An Land handelt es sich dabei ausschließlich um Wirbellose wie z. B. einige Tausendfüßerarten oder auch unseren heimischen Großen Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca), auch als Glühwürmchen bekannt. Die bis zu zwei Zentimeter großen Insekten verfügen am Hinterleib über einen Leuchtapparat, mit dem die flugunfähigen Weibchen potenzielle Sexualpartner auf sich aufmerksam machen können. Ein wunderschöner Anblick an Sommerabenden.
Doch Biolumineszenz ist auch bei größeren Tieren anzutreffen – vor allem im Wasser und besonders häufig in der Finsternis der Tiefsee. Dort findet man leuchtende Quallen, Garnelen, Kalmare, aber auch Fische, also Wirbeltiere.
Ein Hai ist das größte leuchtende Wirbeltier
Und das (nach heutigem Kenntnisstand) größte dieser leuchtenden Wirbeltiere ist ein Hai. Genauer gesagt der bis zu 1,80 Meter lange Schokoladenhai (Dalatias licha). Seine Fähigkeit zur Biolumineszenz wurde erst 2021 entdeckt. Der Schokoladenhai bewohnt vor allem die 200 bis 1.000 Meter tiefe Dämmerzone des Meeres, das sogenannte Mesopelagial. Er verfügt über leuchtende Rückenflossen sowie einen leuchtenden Bauch. Von den Rückenflossen wird angenommen, dass sie der Kommunikation mit Artgenossen dienen. Der Nutzen des leuchtenden Bauches ist hingegen noch unklar. Möglicherweise dient er der Tarnung. Von unten betrachtet könnte der Hai durch das schwache Restlicht aus höheren Wasserschichten schwerer erkennbar sein. Eine andere Hypothese geht davon aus, dass das Licht bei der Nahrungssuche hilft.*
Der Schokoladenhai gehört zu den Tiefseehaien und ist in den meisten wärmeren Meeren zuhause, insbesondere im nördlicheren Atlantik, aber z. B. auch im Mittelmeer, dem Indischen Ozean und in den Gewässern Australiens. Zwischenfälle mit Menschen sind nicht bekannt. Umgekehrt fällt der Hai jedoch regelmäßig unseren Fischernetzen zum Opfer.
Die allergrößten Leuchttiere sind Wirbellose
Während der Schokoladenhai also das größte leuchtende Wirbeltier ist, gibt es unter den Wirbellosen noch größere Tiere mit der Fähigkeit zur Biolumineszenz. Zu den größten bekannten biolumineszenten Wirbellosen zählt der Koloss-Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni). Dieser gewaltige Tiefseebewohner kann einschließlich seiner Tentakel Gesamtlängen von deutlich über zehn Metern erreichen und mehrere hundert Kilogramm wiegen. Damit gehört er zu den größten wirbellosen Räubern der Erde. Wie der Schokoladenhai lebt auch der Koloss-Kalmar in den dunklen Tiefen des Ozeans, wo Biolumineszenz besonders häufig anzutreffen ist.
Was ist Biolumineszenz überhaupt?
Der Vollständigkeit halber noch eine Begriffsabgrenzung: Wie gesagt haben wir es beim Schokoladenhai mit Biolumineszenz zu tun. Biolumineszenz entsteht durch biochemische Reaktionen, bei denen die lichtemittierende Substanz Luciferin mithilfe des Enzyms Luciferase umgesetzt wird. Es gibt aber auch Tiere, z. B. die oben erwähnten Kalmare, die kein eigenes Luciferin herstellen können, sondern sich von biolumineszenter Beute ernähren und so den Leuchtstoff aufnehmen. Wieder andere überlassen die Produktion Bakterien, die in ihren Leuchtorganen leben.
Sind Skorpione auch biolumineszent?
Wie wir wissen, leuchten einige Tiere, z. B. Skorpione, wenn man sie mit UV-Licht anleuchtet. Skorpione leuchten also nicht eigenständig, sondern sie absorbieren Licht bestimmter Wellenlänge – hier eben Ultraviolett – und strahlen es in einer anderen Wellenlänge zurück. Sie brauchen also erst einmal Licht von außen, um selbst zu leuchten. In diesem Fall spricht man daher nicht von Biolumineszenz, sondern von Biofluoreszenz. Ein gänzlich anderes Phänomen.

Fazit:
Biolumineszenz gehört zu den bemerkenswertesten Anpassungen des Lebens an die Dunkelheit der Tiefsee. Dass ausgerechnet ein Hai das größte bekannte leuchtende Wirbeltier ist, zeigt zudem, dass selbst große Raubfische hochspezialisierte Strategien entwickelt haben, um in diesem extremen Lebensraum erfolgreich zu sein.
Quellen:







