Sandtigerhaie fressen ihre Geschwister vor der Geburt
- 25. März
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Kannibalismus im Mutterleib
Der Sandtigerhai (Carcharias taurus) ist ovovivipar. Das heißt, es werden zwar Eier gebildet, diese aber vom Hai nicht abgelegt. Sie verbleiben im Mutterleib, werden dort vom Dotter ernährt und entwickeln sich bis zum Schlupf, der ebenfalls im Mutterleib erfolgt.
Nach dem Schlupf beginnt eine ungewöhnliche Entwicklung. Die Embryonen wachsen in zwei getrennten Gebärmuttersäcken heran. Zunächst ernähren sie sich von weiteren, im Uterus vorhandenen Eiern. Im weiteren Verlauf setzt sich in jedem Gebärmuttersack jeweils der stärkste Embryo durch und frisst die übrigen Embryonen. Dieses Verhalten wird als intrauteriner Kannibalismus bezeichnet. Die spezielle Form, bei der ein Embryo sogar bereits geschlüpfte Geschwister frisst, nennt man Adelphophagie (von griech. adelphos = Bruder und phagein = fressen).
Am Ende überlebt in der Regel pro Gebärmuttersack nur ein Embryo, sodass auch nur zwei Jungtiere geboren werden. Diese sind mit etwa einem Meter Länge und bis zu 20 Kilogramm Gewicht bereits sehr weit entwickelt.
Warum diese Grausamkeit?
Diese Fortpflanzungsstrategie klingt zunächst grausam und ineffizient. Doch sie führt dazu, dass zwar nur wenige, dafür aber besonders kräftige Jungtiere zur Welt kommen, die von Anfang an gute Überlebenschancen haben.
Ähnliche Vorgänge im Mutterleib sind auch von anderen Haiarten wie Fuchshaien und Makos bekannt. Allerdings werden hier nur die Eier von den Geschwistern gefressen, was man streng genommen nicht als Adelphophagie und auch nicht als Kannibalismus, sondern nur als Oophagie bezeichnet.
Der Hauptvorteil dieser Strategie ist bei diesen Arten ebenso wie beim Sandtigerhai: Knallharte Selektion bereits im Mutterleib! Nur die stärksten bzw. gefräßigsten kommen – bereits weit entwickelt – zur Welt und haben dort entsprechend gute Erfolgschancen.

Der Sandtigerhai - nicht so gefährlich wie er aussieht
Der Sandtigerhai erreicht eine Körperlänge von meist 2 bis 3 Metern und ist durch seine langen, nadelartigen Zähne leicht zu erkennen, die oft auch bei geschlossenem Maul sichtbar sind. Trotz dieses bedrohlichen Aussehens gilt er für den Menschen als wenig gefährlich. Zwar sind vereinzelt Bissunfälle dokumentiert, diese verlaufen jedoch in der Regel vergleichsweise glimpflich und führen meist nur zu oberflächlichen Verletzungen. Tödliche Angriffe sind nach aktuellem Kenntnisstand nicht belegt. Die Art lebt in gemäßigten und subtropischen Meeren weltweit, häufig küstennah, etwa im Atlantik vor Nord- und Südamerika, vor Südafrika, Australien und (nur noch selten) im Mittelmeer. Als eher langsamer Schwimmer hält sich der Sandtigerhai oft in Bodennähe oder in der Nähe von Riffen auf. Die bereits im Mutterleib einsetzende starke Konkurrenz unter den Embryonen führt dazu, dass nur wenige, dafür aber besonders robuste Jungtiere geboren werden, die von Anfang an selbstständig überlebensfähig sind.




