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Können Tiere Lepra übertragen?

  • Autorenbild: C. B.
    C. B.
  • 13. Juni 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Tiere und Lepra – eine kaum bekannte Verbindung

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Lepra – eine der gefürchtetsten Krankheiten der Geschichte

Leprakranker (Foto: R. Cabot)
Leprakranker (Foto: R. Cabot)

Bereits im alten Ägypten war die Infektionskrankheit bekannt und gefürchtet. Die Lepra – bei uns früher als „Aussatz“ bezeichnet – wird durch Bakterien (Mycobacterium leprae) hervorgerufen und führt zu drastischen, stark entstellenden Veränderungen der Haut sowie zu Nervenschädigungen bis hin zur Lähmung. Auch das Schmerzempfinden kann verloren gehen, was dazu führen, dass Wunden unbehandelt bleiben, sich entzünden und in der Folge Gliedmaßen absterben. Noch heute infizieren sich lt. Schätzung der WHO ca. 150.000 bis 200.000 Menschen jährlich, die meisten davon in Indien, aber auch in vielen anderen asiatischen sowie in afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern. Selbst in den USA kommt es immerhin noch zu ca. 150 Erkrankungen.* Eigentlich ist Lepra heute sehr gut mit Antibiotika behandelbar, doch vor allem in Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung sterben nach wie vor Menschen an der Krankheit.

Durch Lepra verstümmelte Hände (Foto: B. Jehle)
Durch Lepra verstümmelte Hände (Foto: B. Jehle)

Lepra ist nicht hochansteckend

Die Ansteckung mit Lepra erfolgt in der Regel von Mensch zu Mensch und auch dann nur nach längerem bzw. regelmäßigem, engem Kontakt. Es wird davon ausgegangen, dass die Krankheit vor allem durch Tröpfchen übertragen wird, z. B. beim Niesen oder Husten. Stark begünstigend sind dabei unzureichende Hygiene und ein schwaches Immunsystem z. B. durch Mangel- oder Unterernährung. Bemerkenswert ist die lange Inkubationszeit der Lepra. Die ersten Symptome treten frühestens nach einigen Monaten, im Schnitt aber erst nach fünf Jahren auf. Manchmal sogar nach mehr als 20 Jahren.**

Auch einige Tiere können sich mit Lepra infizieren

Auch wenn die Übertragung von Mensch zu Mensch der häufigste Weg der Bakterien ist: Einige Tiere können sich ebenfalls mit Lepra infizieren. So konnte der Erreger bereits an Schimpansen (Pan troglodytes) in Westafrika und auch an Eurasischen Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) in England*** nachgewiesen werden. Da, wie oben bereits angesprochen, für eine Ansteckung jedoch längerer enger Kontakt nötig ist, gehen Wissenschaftler nicht davon aus, dass von diesen Tieren eine Gefahr für Menschen ausgeht.

Leprakranker Schimpanse (Foto: Hockings et al.; Ausschnitt)
Leprakranker Schimpanse (Foto: Hockings et al.; Ausschnitt)

Übertragung auf Menschen durch Gürteltiere

Doch ein Tier gibt es, das regelmäßig für Ansteckungen beim Menschen sorgt: das Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus). Der ca. 50 Zentimeter lange und vier bis fünf Kilo schwere Insektenjäger ist vom südlichen Brasilien bis in den Südosten der USA verbreitet. Und die Infektionsrate unter ihnen kann regional sehr hoch sein. In einer kleinen Region in Brasilien wurden einige Neunbinden-Gürteltiere genauer untersucht und der Lepraerreger bei 62 Prozent(!) dieser Tiere identifiziert.**** Und im Gegensatz zu Eichhörnchen und Affen konnte festgestellt werden, dass es durch das Neunbinden-Gürteltier auch zu Infektionen beim Menschen kommt – sowohl in Lateinamerika als auch im Süden der USA. Noch unklar ist jedoch der Übertragungsweg. Eine Möglichkeit besteht darin, dass Gürteltiere häufig in Gärten unterwegs sind und die Menschen deren Hinterlassenschaften z. B. bei der Gartenarbeit einatmen. Eine andere Erklärung ist, dass vor allem in Südamerika Gürteltiere von Menschen gejagt und gegessen werden. Zwar werden die Bakterien beim Kochen abgetötet, so dass der Verzehr selbst wohl nicht das Problem ist. Doch beim Zerlegen der Tiere, insbesondere wenn dies regelmäßig getan wird, ist eine Infektion sehr gut vorstellbar.

Neunbinden-Gürteltier (Foto: T. Friedel)
Neunbinden-Gürteltier (Foto: T. Friedel)

Übrigens: Gürteltiere gebären immer eineiige Vierlinge

Wenn wir hier schon einmal über Neunbinden-Gürteltiere reden, soll eine weitere Besonderheit dieser Tiere kurz angesprochen werden: Polyembryonie. Das bedeutet, dass sich nach der Paarung aus einer befruchteten Eizelle, der sogenannten Zygote, nicht ein, sondern (meistens) vier identische Embryonen entwickeln. So werden es dann (fast) immer eineiige Vierlinge. Wissenschaftler nehmen an, dass sich auch andere Gürteltierarten so vermehren.



Quellen:

** Lepra: Vorkommen, Symptome, Behandlung. (2020, December 11). gesund.bund.de. https://gesund.bund.de/lepra

*** Avanzi, C., Del-Pozo, J., Benjak, A., Stevenson, K., Simpson, V. R., Busso, P., … & Meredith, A. L. (2016). Red squirrels in the British Isles are infected with leprosy bacilli. Science, 354(6313), 744-747.

**** da Silva, M. B., Portela, J. M., Li, W., Jackson, M., Gonzalez-Juarrero, M., Hidalgo, A. S., … & Spencer, J. S. (2018). Evidence of zoonotic leprosy in Pará, Brazilian Amazon, and risks associated with human contact or consumption of armadillos. PLoS neglected tropical diseases, 12(6), e0006532.


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