Der Weberknecht ist keine Spinne
- vor 2 Tagen
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Viele Menschen halten Weberknechte für Spinnen, biologisch ist das jedoch falsch
Wer im Keller, in der Garage oder an einer Hauswand ein langbeiniges Krabbeltier entdeckt, hält es meist automatisch für eine Spinne. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch oft um einen Weberknecht. Obwohl Weberknechte wie echte Spinnen zu den Spinnentieren (Arachnida) gehören, bilden sie innerhalb dieser Tiergruppe eine eigene Ordnung: die Weberknechte oder Opiliones.

Mit Kreuzspinnen, Zitterspinnen oder Vogelspinnen sind sie daher nur entfernt verwandt. Dennoch werden die Tiere seit Jahrzehnten regelmäßig verwechselt.
Um Weberknechte ranken sich zahlreiche Irrtümer – etwa die Behauptung, sie seien „die giftigsten Spinnen der Welt“, könnten aber angeblich nicht beißen. Tatsächlich ist dieser Mythos biologisch falsch, denn Weberknechte besitzen keine Giftdrüsen.
Der Unterschied zwischen Weberknecht und Spinne
Die Verwechslung mit echten Spinnen ist verständlich, denn beide Gruppen besitzen acht Beine und gehören zu den Spinnentieren. Dennoch unterscheiden sie sich in mehreren wichtigen Punkten deutlich voneinander.
Weberknechte besitzen keine Spinndrüsen
Echte Spinnen produzieren Spinnfäden und bauen damit Netze, Kokons oder Fangfäden. Weberknechte können dagegen keine solchen Fäden herstellen, da ihnen die dafür nötigen Spinndrüsen fehlen.
Der Körperbau sieht anders aus
Bei echten Spinnen sind Vorderkörper und Hinterleib durch einen schmalen Stiel klar voneinander getrennt. Beim Weberknecht erscheinen beide Körperteile dagegen fast vollständig miteinander verschmolzen.

Auch die Augen unterscheiden sich deutlich: Während die meisten Spinnen acht Augen besitzen, haben Weberknechte nur zwei Augen, die meist dicht beieinander auf einem kleinen erhöhten Augenhügel in der Körpermitte sitzen.*
Gerade im Haus werden Weberknechte häufig mit Zitterspinnen verwechselt. Schaut man genauer hin, lässt sich der Unterschied jedoch gut erkennen.

Warum haben Weberknechte so lange Beine?
Die extrem langen Beine helfen den Tieren bei der Orientierung und reagieren empfindlich auf Erschütterungen und Vibrationen. Dadurch können Weberknechte Feinde früh bemerken.
Außerdem ermöglichen die langen Beine ein schnelles Fortbewegen über Pflanzen, Geröll und unebene Flächen. Der eigentliche Körper bleibt dabei mit gewisser „Bodenfreiheit“ weit vom Untergrund entfernt.
Bei Gefahr können Weberknechte sogar einzelne Beine an speziellen Sollbruchstellen abwerfen. Das abgetrennte Bein bewegt sich oft noch eine Zeit lang weiter und kann mögliche Angreifer ablenken.**

Können Weberknechte beißen?
Weberknechte besitzen scherenartige Mundwerkzeuge, sogenannte Cheliceren, mit denen sie Nahrung greifen und zerkleinern können.

Ein Biss ist bei heimischen Arten für Menschen jedoch in der Regel unproblematisch.
Selbst wenn ein Weberknecht die Haut verletzen könnte, wäre dies harmlos, da die Tiere kein Gift besitzen.
Viele Arten verteidigen sich stattdessen mit übel riechenden Abwehrsekreten aus speziellen Duftdrüsen.
Was fressen Weberknechte?
Viele Weberknechte sind Alles- oder Zersetzungsfresser und damit ökologisch breiter aufgestellt als viele Spinnen. Sie ernähren sich von kleinen Insekten und Spinnen, abgestorbenen Tieren, Pilzen und teilweise sogar von Pflanzenresten.**
Damit übernehmen Weberknechte eine wichtige Rolle im natürlichen Stoffkreislauf. Sie helfen beim Abbau organischer Reste in Laubstreu, Garten und Wald. Die meisten echten Spinnen leben dagegen überwiegend räuberisch von lebender Beute.
Fazit: Harmlos und nützlicher als viele denken
Weberknechte sehen echten Spinnen zwar ähnlich, gehören jedoch nicht zu den Spinnen im engeren Sinn. Sie besitzen weder Giftdrüsen noch Spinndrüsen und können keine Netze bauen.
Die langbeinigen Tiere sind für Menschen harmlos und zugleich wichtige Helfer im Ökosystem. Gerade weil sie so häufig vorkommen, gehören Weberknechte zu den bekanntesten missverstandenen Tieren überhaupt.
Quellen
* Bellmann, H. (2006). Der Kosmos Spinnenführer. Franckh-Kosmos Verlag.
** Pinto-da-Rocha, R., Machado, G., & Giribet, G. (Hrsg.). (2007). Harvestmen: The biology of Opiliones. Harvard University Press. https://doi.org/10.4159/9780674276833



