Auch Wale kommen in die Wechseljahre
- vor 3 Tagen
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Bei den meisten Säugetieren gibt es kein festes Lebensstadium, in dem die Fortpflanzung grundsätzlich endet. Weibchen bekommen Nachwuchs bis ins hohe Alter. Einen klaren, biologisch programmierten Einschnitt wie die Menopause gibt es nur bei uns Menschen – oder?
Die wenigen (bisher) bekannten Ausnahmen leben im Meer
Außer uns Menschen zeigen nur einige Walarten dieses Muster, allen voran der Orca oder auch Schwertwal (Orcinus orca). Die Weibchen stellen die Fortpflanzung in einem bestimmten Lebensabschnitt dauerhaft ein – leben aber noch viele Jahre weiter, oft Jahrzehnte. Bei Orcas liegt die Fortpflanzungsphase typischerweise bei etwa 30 bis 40 Jahren, während die Gesamtlebensdauer 80 Jahre oder mehr erreichen kann*.
Dieses Phänomen ist auch bei einigen anderen Zahnwalen nachgewiesen, etwa bei Grindwalen – Hinweise gibt es außerdem bei Belugas und Narwalen.
Abgesehen davon sind bislang keine weiteren Säugetiere mit einer klaren Menopause bekannt. Selbst Elefantenkühe können bis ins hohe Alter Nachwuchs bekommen.
Warum endet die Fortpflanzungsfähigkeit überhaupt?
Ein Tier lebt weiter, bringt aber keinen eigenen Nachwuchs mehr hervor. Für das Fortbestehen der Art leistet es auf den ersten Blick keinen direkten mehr. Doch das ist ein Irrtum. Der Nutzen liegt in der Lebenserfahrung älterer Tiere und im sozialen Gefüge der Wale.
Ältere Orca-Weibchen übernehmen in der Gruppe zentrale und führende Funktionen. Sie kennen die Nahrungsgebiete und Wanderrouten und sie treffen in kritischen Situationen oft bessere Entscheidungen.
So erhöhen sie die Überlebenschancen ihrer Nachkommen und Enkel und tragen indirekt weiter zum Fortbestand der Art bei.
Wissen entscheidet
In Jahren mit wenig Nahrung führen ältere Weibchen ihre Gruppe gezielt zu ergiebigen Jagdgebieten. Dieses über Jahrzehnte aufgebaute „ökologische Gedächtnis“ kann für das Überleben der Gruppe entscheidender sein als weiterer Nachwuchs. Und da die alten Tiere sich nicht um eigene Jungtiere kümmern müssen, können sie mehr Energie in den Dienst der Gruppe stellen.
Besonders wichtig sind die älteren Kühe auch für ihre Söhne: Ausgewachsene Männchen bleiben bei ihrer Mutter und profitieren stark von ihrer Erfahrung. Stirbt ein altes Weibchen, steigt die Sterblichkeit der Söhne deutlich.
Die Großmutter-Hypothese
Dieses Prinzip wird als Großmutter-Hypothese bezeichnet.
Die Idee dahinter ist schlicht:
Unter bestimmten Bedingungen ist es vorteilhafter, vorhandene Nachkommen zu unterstützen, als noch einmal selbst Nachwuchs zu bekommen.
Fazit
Im Tierreich gibt kein fest programmiertes Ende der Fortpflanzung. Die Menopause ist eine sehr seltene Ausnahme. Für das Überleben der Orcas und einiger anderer Wale scheint die Menopause der alten Kühe nützlicher, als wenn sie sich lebenslang fortpflanzen würden. Von diesen Walen abgesehen, ist das Phänomen Menopause bisher nur beim Menschen nachgewiesen. Doch bei diesem sind die Gründe wohl komplexer.
Quellen:
Foster EA, Franks DW, Mazzi S, Darden SK, Balcomb KC, Ford JKB, Croft DP (2012):
Adaptive prolonged postreproductive lifespan in killer whales. Science 337(6100), 1313–1316.






