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Der Pottwal - das lauteste Tier der Welt?

  • vor 13 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Laut vielen Quellen gilt der Pottwal (Physeter macrocephalus) als das lauteste Tier der Erde. Aber ist er das wirklich?


Beeindruckende Zahlen

Tatsächlich ist der Pottwal in vielerlei Hinsicht ein imposantes Tier. Große Männchen werden bis zu 20 Meter lang und über 50 Tonnen schwer. Und neben seinen gewaltigen Körpermaßen ist auch seine akustische Leistungsfähigkeit absolut außergewöhnlich.

Pottwalkuh mit Kalb (Foto: G. Barathieu)
Pottwalkuh mit Kalb (Foto: G. Barathieu)

Wie laut ist ein Pottwal?

Pottwale orientieren sich durch Echoortung. Hierzu erzeugt der Pottwal extrem starke Klicklaute. Wissenschaftliche Messungen zeigen unter Wasser Schalldruckpegel von über 220 Dezibel (gemessen in einem Meter Abstand von der Schallquelle) – die höchsten verlässlich gemessenen Werte bei einem Säugetier.* Zum Vergleich: Ein Gewehrschuss - natürlich an Land - erreicht nur etwa 140 Dezibel.


Zum Verständnis eine kurze Erklärung zur Schallmessung

Diese Zahlen gelten für Messungen im Wasser und sind nicht direkt mit Dezibelangaben an der Luft vergleichbar, da unterschiedliche Referenzdrücke zugrunde liegen. Grob entsprechen die 220 Dezibel unter Wasser etwa 180 Dezibel an der Luft – ein Bereich, der für das menschliche Gehör sofort massiv schädigend wäre.

Hinzu kommt: Die Dezibel-Skala ist logarithmisch aufgebaut. Eine Erhöhung um 10 Dezibel bedeutet eine Verzehnfachung der Schallenergie. Der Unterschied zwischen 220 Dezibel und 140 Dezibel entspricht physikalisch einer um ein Vielfaches höheren Schallintensität. Die Zahlen liegen also scheinbar nur „ein paar Zehner“ auseinander, stehen aber für enorme Energieunterschiede.


Warum braucht der Pottwal solche Lautstärken?

Pottwale jagen in großen Tiefen, meist zwischen etwa 400 und 1 000 Metern, dokumentierte Tauchgänge reichen bis über 2 000 Meter**. In dieser Zone herrscht praktisch vollständige Dunkelheit.

Die Klicklaute entstehen an speziellen Strukturen im Nasensystem, den sogenannten phonic lips. Der Schall wird im Kopf reflektiert, anschließend gebündelt und stark nach vorn gerichtet abgestrahlt – wie ein akustischer Scheinwerfer.

Trifft ein Klick auf einen Kalmar oder ein anderes Objekt, kehrt ein Echo zurück. Aus diesem Echo kann der Wal Entfernung, Größe und Strukturunterschiede seiner Beute ableiten. Die enormen Schallpegel sorgen dafür, dass selbst in großer Tiefe noch auswertbare Echos zurückkehren – eine entscheidende Anpassung an das Leben in der lichtlosen Tiefsee.


Gibt es Konkurrenz?

Es gibt einen ernstzunehmenden Konkurrenten - und der ist winzig

Das lauteste bisher gemessene wirbellose Tier ist der Knall- oder Pistolenkrebs (Gattung Alpheus). Die nur wenige Zentimeter großen Tiere erzeugen ihren Knall nicht durch eine Stimme, sondern mechanisch. Beim blitzschnellen Zuschlagen ihrer spezialisierten Schere entsteht kurzzeitig durch starken Unterdruck eine Dampfblase (Kavitationsblase), die sofort wieder kollabiert. Dadurch entsteht ein extrem kurzer, aber sehr intensiver Druckimpuls.

Belegte Messungen zeigen kurzzeitige Schalldruckspitzen von etwa 190 Dezibel. Kursierende höhere Angaben sind nicht überprüfbar und daher hier nicht berücksichtigt.

Im Moment des Blasenkollapses entstehen direkt an der Blase für Mikrosekunden extreme Drücke und Temperaturen von mehreren tausend Grad Celsius – ein physikalisches Phänomen, das sogar kurze Lichtblitze (Sonolumineszenz) erzeugt.***


Knallkrebs (Alpheus heterochaelis) (Foto: Smithsonian Environmental Research Center)
Knallkrebs (Alpheus heterochaelis) (Foto: Smithsonian Environmental Research Center)

Knall als Waffe

Das genügt dem Knallkrebs, um mit dieser Druckwelle ihre Beute zu betäuben, um sich dann über das wehrlose Opfer herzumachen. In tropischen Küstengewässern erzeugen große Kolonien ein dauerhaftes „Knistern“, das im Zweiten Weltkrieg tatsächlich militärisches Sonar störte.


Wer ist nun lauter?

Rein nach den gemessenen Dezibelwerten liegt der Pottwal vorn. Mit über 220 Dezibel erreicht er die bislang höchsten verlässlich bestimmten normierten Quellpegel im Tierreich. Seine gezielten, gebündelten Klicks zur Echoortung sind die stärksten bekannten biologischen Schallimpulse.

Doch auch der winzige Knallkrebs gehört zu den spektakulärsten Schallerzeugern im Tierreich. Er erreicht auf seine ganz eigene, physikalische Weise Druckspitzen, die – nicht nur gemessen an seiner Körpergröße – außergewöhnlich sind.


Nach den vorliegenden Messdaten bleibt der Pottwal das lauteste Tier. Der Knallkrebs ist dennoch eines der eindrucksvollsten akustischen Phänomene des Tierreichs.


Quellen

* Møhl, B., Wahlberg, M., Madsen, P. T., Heerfordt, A., & Lund, A. (2000). Sperm whale clicks: Directionality and source level revisited. Journal of the Acoustical Society of America, 107(1), 638–648. https://doi.org/10.1121/1.428228

** Watwood, S. L., Miller, P. J. O., Johnson, M., Madsen, P. T., & Tyack, P. L. (2006). Deep-diving foraging behaviour of sperm whales (Physeter macrocephalus). Journal of Animal Ecology, 75(3), 814–825. https://doi.org/10.1111/j.1365-2656.2006.01101.x

*** Au, W. W. L., & Banks, K. (1998). The acoustics of the snapping shrimp Synalpheus parneomeris in Kaneohe Bay. Journal of the Acoustical Society of America, 103(1), 41–47. https://doi.org/10.1121/1.421098

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