Blattschneiderameisen mögen keine Blätter
- 22. Jan.
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Blattschneiderameisen sind weltberühmt
Auch wer noch nicht in Lateinamerika war, kennt aus zahllosen Tierfilmen die Bilder von Blattschneiderameisen, die zu Tausenden und Abertausenden Blätter und Blüten in "handliche" Stücke schneiden und in endlos scheinenden Prozessionen in ihren Erdbau tragen. Mutmaßlich als Nahrung. Oder etwa nicht?
Die Ameise frisst die gesammelten Blätter nicht
Diese Bilder führen fast unweigerlich zu dem Schluss, dass die gewaltige Masse geernteter Blätter den Ameisen als Nahrung dient. Tatsächlich ist es jedoch ganz anders: In ihrem unterirdischen Bau, der im Grunde eine hochkomplexe Farm ist, züchten die Insekten einen Pilz. Von diesem ernähren sich ihre Larven. Der Pilz bildet hierzu an seinen Hyphen (fadenförmige Zellstrukturen) spezielle Nährkörper aus, sogenannte Gongylidien. Diese können von den Ameisen geerntet werden, ohne den Pilz als Ganzes zu schädigen. Die gesammelten Blätter werden von den Ameisen lediglich zerkaut und dienen dem Pilz als Dünger (Substrat). Die Pflege und Bewachung dieser Gärten unterliegt einer strikten Arbeitsteilung. Ein Bau kann hunderte solcher Pilzgärten umfassen und bis zu acht Meter tief in die Erde reichen.
Blattschneiderameisen helfen dem Pilz sogar bei der Fortpflanzung
Während sich die erwachsenen Arbeiterinnen vor allem von kohlenhydratreichen Pflanzensäften ernähren, benötigen die Larven für ihr Wachstum die Proteine, Enzyme und Vitamine des Pilzes. Er ist für sie eine Art „Rundum-Sorglos-Paket“ an Nährstoffen. Ohne diesen Pilz können sie nicht überleben – ebenso wie der spezialisierte Pilz ohne die Pflege und den Nährstoffnachschub der Ameisen zugrunde gehen würde.

Hilfe bei der Fortpflanzung
Auch bei der Verbreitung des Pilzes sind die Ameisen unverzichtbar. Junge Königinnen tragen beim Hochzeitsflug ein kleines Stück des Pilzgeflechts in einer speziellen Tasche im Mund mit sich. An der neuen Brutstätte dient dieses „Starter-Set“ dazu, eine neue Kultur anzulegen und so das Überleben der künftigen Kolonie zu sichern.
Eine lebensnotwendige Partnerschaft (Obligater Mutualismus)
In der Biologie nennt man diese engste Form der Zusammenarbeit einen obligaten Mutualismus (eine lebensnotwendige Partnerschaft). Früher wurde dies oft als „Eusymbiose“ bezeichnet.
„Die Blattschneiderameise“ gibt es nicht
Korrekterweise ist noch klarzustellen, dass es sich bei „der Blattschneiderameise“ nicht um eine einzelne Art handelt. Vielmehr werden nicht nur mehrere Arten, sondern gleich mehrere Gattungen mit ähnlicher Lebensweise unter dieser Bezeichnung zusammengefasst. Ebenso gibt es auch verschiedene Pilzarten, die von den Ameisen kultiviert werden. Alle Blattschneiderameisen leben im tropischen und subtropischen Amerika, wo sie in Plantagen große Schäden anrichten können.





